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Dezember 2009

Was "ist" Ambivalenz? Ist Ambivalenz ein psychologischer Begriff? Ein Binnenverhältnis widerstrebender Kräfte? Oder ein Widerstreit, ein Kampf, in dem sich Innen und Außen in verwickelter Weise durchdringen und durchkreuzen? An welchem Ort befindet sich Ambivalenz? Und ist es nicht das, worüber die Psychoanalyse Auskunft zu geben versucht? So kreist die Schwierigkeit der Definition um dieses "ist":

Ambivalenz
[zu lateinisch ambo "beide zusammen" und valentia "Stärke"]: Charakterisierung von Handlungen oder Gefühlen, die mit gegensätzlichen, scheinbar einander ausschließenden Bewertungen (wie Liebe und Haß, Abscheu und Faszination) erlebt werden. So werden in der Regel Eltern von ihren Kindern geliebt, gelegentlich aber auch gehaßt.
(Meyers kleines Lexikon Philosophie, hrsg- von d. Red. Für Philosophie d. Bibliograph. Inst., Mannheim, Wien, Zürich 1987)

Ambivalenz
(aus lat. ambo, "beide" und valentia, "Stärke"), gefühls- und willensmäßige Doppelwertigkeit und -wirksamkeit nach sich widersprechenden Richtungen hin. A. besitzen manche Vorstellungen, die zugleich lust- und unlustbetont sind, Liebe und Haß, Neigung und Abneigung bedeuten; das eine dieser Gefühle wird gewöhnlich (unbewußt) verdrängt und durch das andere maskiert.
S. Strasser, Das Gemüt, 1956; H. Thomae, Der Mensch in der Entscheidung, 1960 (Philosophisches Wörterbuch, Körners Taschenausgabe Band 13, Stuttgart 1974)

Ambivalenz
Gleichzeitige Anwesenheit einander entgegengesetzter Strebungen, Haltungen und Gefühle, z. B. Liebe und Haß, in der Beziehung zu ein- und denselben Objekt. Freud übernimmt den Ausdruck >Ambivalenz< von Bleuler, der ihn geprägt hat. Bleuler nimmt Ambivalenz auf drei Gebieten an. Auf dem des Willens (Ambitendenz): das Subjekt will z.B zu gleicher Zeit essen und nicht essen. Auf dem des Intellekts: das Subjekt äußert gleichzeitig eine Meinung und deren Gegenteil. Auf dem des Affekts: es liebt und haßt in einer Regung die gleiche Person. Bleuler sieht in der Ambivalenz ein Hauptsymptom der Schizophrenie, erkennt aber die Existenz einer normalen Ambivalenz an. Die Besonderheit der Ambivalenz im Hinblick auf das, was vorher als Komplexität von Gefühlen oder Fluktuation von Verhaltensweisen beschrieben wurde, beruht einerseits auf der Aufrechterhaltung eines Gegensatzes von ja-nein, wo Bejahung und Verneinung simultan und unauflösbar sind; andererseits auf der Tatsache, daß dieser fundamentale Gegensatz in verschiedenen Bezirken des psychischen Lebens wiedergefunden werden kann. Bleuler bevorzugt schließlich die affektive Ambivalenz, und in diesem Sinn wird der Begriff dann von Freud verwendet. (...) In den Arbeiten von Melanie Klein (...) hat die Ambivalenz einen entscheidenden Platz. Für Melanie Klein ist der Trieb von vornherein ambivalent: Die Liebe des Objekts unterscheidet sich nicht von seiner Destruktion; die Ambivalenz wird also eine Qualität des Objekts selbst, mit der das Subjekt ringt, indem es das Objekt in ein gutes und ein böses Objekt spaltet: Ein ambivalentes Objekt, das zugleich in höchstem Maße wohlwollend und zutiefst zerstörerisch wäre, könnte es nicht ertragen. (...)
(J. Laplanche, J-B. Pontalis, Das Vokabular der Psychoanalyse, Frankfurt/M. 1989, S. 55 ff.)


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