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Gott ist es leid und früher war alles besser

Februar 2010

"Früher war alles besser." Dieser Satz findet auch in Gesprächen nur mit Anführungszeichen Verwendung. Eine ironische Art zu sagen, dass etwas zur Zeit nicht gut läuft. Will man sich also mal, ganz im Allgemeinen, auf die Vergangenheit beziehen und dabei nicht den Reaktionär geben, müsste man eher feststellen:"Früher war vieles anders"; und wer wollte dieser trivialen Einsicht widersprechen?

Jedoch: Wer sich mit aktuellen akademischen, geisteswissenschaftlichen Texten beschäftigt, oder sagen wir besser, diese zu lesen versucht, könnte zuweilen der reaktionären Versuchung anheim fallen. Aber auch diese Pauschalisierung ist sicher weder gerecht noch umfänglich stichhaltig. Bleiben wir also dabei: früher wurde - ebenfalls zuweilen - eine "theoretische Prosa" geschrieben, deren Eleganz - an einigen Stellen sicherlich auch gestelzt und pathetisch - zu vermissen durchaus statthaft ist (und nicht zu vergessen: die stilistisch und inhaltlich schlechteren "alten" Texte wurden dem Vergessen überantwortet - aus der Vergangenheit halten wir meist nur die Perlen in unseren Händen).

Gut: Martin Buber's kleiner Essay "Bilder von Gut und Böse" aus dem Jahre 1952 gibt ein Beispiel für eine Prosa, die wir Heutigen von unseren schreibenden Zeitgenossen nicht mehr oft präsentiert bekommen dürften. Ein Beispiel:

"Dass der Mensch, der Erkenntnis von Gut und Böse preisgegeben, ohne ihrer Gegensätzlichkeit überlegen werden zu können - es gibt keine andere Überlegenheit als die des Schöpfers -, die in der Schöpfung bezwungene Chaotik des Möglichen, willkürhaft je und je sich verleiblichend, über die geschaffene Welt bringt, das ist es, was es Gott leid sein läßt, daß er den Menschen gemacht hat; (...)" (Martin Buber, Bilder von Gut und Böse, S. 32, Gütersloh 2003)

Nun gibt es eine Reihe von Autoren, die an- und zitatweise aufzuführen hier recht und billig wäre. Aber hier obwaltet kein umfassender Anspruch, allenfalls geht es um einen Wink (Im Zusammenhang mit den hier zitierten Autoren und dem letztgenannten Begriff an dieser Stelle noch folgender Buchhinweis: Marlène Zarander: the unthought debt; Heidegger and the Hebraic Heritage, Stanford University Press 2006). Wir beschließen das Ganze mit einem weiteren Prosa-Beleg, der das Unbehagen an und in der Kultur auf seine Weise analysiert. Hans Blumenberg schrieb 1979 in seinem Buch „Die Lesbarkeit der Welt“ gleich im ersten Satz:

„Bringt man die gängigen kulturkritischen Phrasen auf eine, so kommt heraus, das Unbehagen in der Kultur sei beherrscht von einer Enttäuschung, für die niemand angeben kann, welche Erwartungen es denn gewesen waren, die enttäuscht worden sind.“ (Hans Blumenberg, Die Lesbarkeit der Welt, S. 9, Frankfurt/M. 1996)

Würde man die beiden Zitate auch inhaltlich aufeinander beziehen, so könnte man jetzt eine spannende Auseinandersetzung führen. Aber man soll Späße ja nicht zu weit treiben. Und vielleicht ist alles auch ganz einfach: "I hate to read new books" schrieb der englische Romatiker William Hazlitt (On Reading Old Books).

Wer weiter lesen möchte, der gehe dorthin, wo das Zitat gefunden und entnommen wurde: http://buecher-kiste.blogspot.com/


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